der springende punkt SPD Nürnberg

„Als Weltenbürger erzähle ich,
was um uns herum und durch uns geschieht.“

Interview mit dem Künstler bruno da Todi

Der in Umbrien geborene Bruno Spita lebt bereits seit vielen Jahren in Nürnberg. Er ist ein renommierter und engagierter Künstler, der unter dem Namen bruno da Todi aus Möbelholz, Stoffresten und anderen Abfällen der Konsumgesellschaft Plastiken fertigt. Meistens thematisieren sie die Menschenrechte oder das Leiden der Opfer von Krieg, Gewalt, Hass und Rassismus. Zu seinen Arbeiten, seinen Anliegen und den Menschenrechten haben wir ihn interviewt.

Monatliche Zeitung der SPD Nürnberg „der springende punkt.“ 11/2009 >>>

dsp: In sehr vielen Deiner Werke arbeitest Du Dich tief in das Material. Manchmal erarbeitest Du eine recht gleichmäßige Reliefstruktur, manchmal sind es Figuren. Wozu ist das notwendig? Warum arbeitest Du Deine Ideen aus den Materialien heraus? Ist es der starke Drang, den Menschen Deine Anliegen mit aller Kraft plastisch darzustellen? Oder kann man das Thema Menschenrechte nur unter Mühen und schwerer Arbeit künstlerisch darstellen?

bruno da Todi: Oft bearbeite ich ausgesonderte Materialien, mit Resten schmutziger Farben, Verbrennungen, rostigen Nägeln, Löchern. Alte Balken, Bretter, Stühle, Türen, die eine Geschichte haben und durch die Zeit verändert wurden; Gegenstände, die von Menschen abgenutzt und beschädigt wurden und von Wunden bedeckt sind. Von diesen Wunden geht meine Arbeit aus: ihre Narben helfen mir, das Leben zu erzählen, vom Menschen zu sprechen. Ich benutze ausgesonderte Hemden, Socken, Stoffreste, die ich auf meinen Untergrund auftrage, dann versenge, dann abkratze, bis endlich das, was in mir ist, herauskommt. Das ist meine persönliche Sprache. Ich benutze die Löcher, die Verbrennungen, die Verletzungen, um die tiefe und schmerzhafte Realität des fehlenden Respekts vor den Minderheiten, den Schwächsten darzustellen, die ja eigentlich von den universellen Menschenrechten geschützt werden müssten – ich betone: müssten.

dsp: Die Menschenrechte und das Aufzeigen von Ungerechtigkeiten sind ja in Deinen Werken zentrales Thema. Wie sollen und können Deine Kunstwerke hier helfen, die Welt zu verändern? Sind sie Mahnung an die Politik oder alle Bürgerinnen und Bürger, oder sollen sie nur dokumentieren?

bruno da Todi: Ich bin kein Prediger, kein Weltverbesserer. Ich weiß nicht, ob mein Tun in irgendeiner Weise dazu beiträgt, die Welt zu verändern. Ein Künstler hat keinen rechtlichen Auftrag, mit dem er auf das Verhalten oder auf Entscheidungen der Menschen direkten Einfluss nehmen könnte. Als Weltenbürger erzähle ich, was um uns herum und durch uns geschieht. Ich spreche einfach zum Menschen mit dem Bewusstsein, dass auch ich dieser Mensch bin; mit der Hoffnung, dass der Betrachter, politisch oder nicht, verstehen möge, was ich selbst verstehen möchte.

dsp: Den Internationalen Menschenrechtspreis 2009 erhielt ja der Iraner Abdolfattah Soltani, der sich vehement für die Anerkennung der Menschenrechte in der Islamischen Republik Iran einsetzt. Er ist ein Beispiel für jemanden, der gegen schwere Repressionen ankämpfen muss, um Gutes zu tun. Auch Du kämpfst seit Jahrzehnten für die Menschenrechte, und es tun sich immer wieder neue Abgründe auf. Denkt man da manchmal daran, den Kampf aufzugeben, möchte man resignieren?

bruno da Todi: Aufgeben? Aber … was bringt es, nichts zu tun? Ich bin ein Optimist. Es ist großartig, was die Preisträger des Nürnberger Menschenrechtspreises getan haben. Zum Glück für die Menschheit haben auch viele, viele andere große Menschen existiert, die durch ihr Verhalten Einfl uss auf den Lauf der Weltgeschichte genommen und nicht aufgegeben haben. Nur einige Beispiele: Als 1923 der italienische Genosse Giacomo Matteotti im Parlament ausrief: “Ihr könnt mich töten, aber nicht die Idee, die in mir lebt”, hat er seinen Kampf gegen den Faschismus mit dem Leben bezahlt. Aber er hatte Recht: Seine Ideen leben noch heute in uns. Ebenso hat die kleine große Geste Willy Brandts, sein Kniefall in Warschau, ein Erdbeben ausgelöst, das schließlich im Fall der Mauer endete. Ich könnte noch viel andere nennen, darunter Mandela, Gandhi, Martin Luther King, deren große Gesten ich mit meinen schmutzigen Händen in meinen Bildern und Skulpturen verarbeitet habe. Letztendlich betrachte ich mich als Handwerker, der etwas zu sagen hat und der seine eigene Sprache gefunden hat, um es zu sagen. Aber, wie Paul Sérusier es einmal ausgedrückt hat: „Das ganze Tun eines Künstlers ist eigentlich nichts anderes als Farben in einer bestimmten Reihenfolge auf eine Oberfl äche aufzutragen“.

Mehr über den Künstler bruno da Todi und seine Arbeiten kann man im kürzlich erschienenen Buch „von den Sternen zum Brot“ von Jutta und Joachim Lindner erfahren. Informationen hierüber auf der Homepage des Künstlers http://www.brunodatodi.de oder per Mail an post@JL-fotografi e.de.

Kontakt:
Atelier bruno da Todi
Fürther Straße 212
in Nürnberg

Info und Terminvereinbarung:
Tel.: 0911 401185 oder per
E-Mail: mail@brunodatodi.de