Città Viva Nr. 6

Kunst gegen Krieg
von Lorena Battistoni

Gerne veröffentlichen wir die Nachricht und die Fotos einer eindrucksvollen Ausstellung unseres Mitbürgers Bruno Spita, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt und seine Bilder und Korrespondenz lieber mit bruno da Todi signiert.

Es handelt sich um eine Initiative des Generalkonsulats der Türkischen Republik in Jerusalem und des türkischen Generalkonsuls in Nordbayern, die im Rathaus Nürnberg – der Stadt der Menschenrechte – eine Ausstellung mit dem Titel „Miteinander der Kulturen“ organisiert haben. Sie zeigt circa 200 Fotos, die vor 1917 in Jerusalem aufgenommen wurden; bedeutungsvolle Dokumente, da durch sie deutlich wird, wie die drei monotheistischen Religionen – die jüdische, die christliche und die moslemische – vor dem Ersten Weltkrieg in ihrer gemeinsamen Mutterstadt in Harmonie miteinander lebten. Im Rahmen dieser Wanderausstellung, die vom 7. bis 28. November 2006 in Nürnberg stattfand, wurde bruno da Todi eingeladen, mit seinen Skulpturen die Geschichte zu „erzählen“, von „In Exitu Israel de Aegypto“ bis zum „Kniefall Willy Brandts im Warschauer Ghetto“.

Bruno ist stolz darauf, auch bei dieser Gelegenheit wieder auf internationaler Ebene auf den Namen unserer Heimatstadt Todi aufmerksam gemacht zu haben. Wir sind natürlich glücklich darüber, aber wir möchten auch die tiefe Bedeutung der Arbeit des Künstlers unterstreichen, der mit seiner langen Serie „Exodus“ den Schrei nach Freiheit, nach Leben, nach Wiedererlangung der menschlichen Würde materiell übersetzt hat, den Schrei vieler im Laufe der Jahrhunderte durch Krieg erdrückte Völker. Und es ist sinnbildlich, dass die Hauptfigur dieses Leidenswegs das jüdische Volk ist, mit seinen Tragödien und seiner unerschöpflichen Kraft gerade in den dramatischsten und bedeutendsten Momenten seiner Geschichte. Angefangen mit der Flucht aus Ägypten, einem Ereignis, von dem im Incipit des Psalms CXIII berichtet wird und das bei Dante zur Freiheitshymne der Seelen im Fegefeuer wird. Auch hier, wie bei bruno da Todi, bewegen sich die Figuren fröhlich, zwar müde, aber hoffnungsvoll, in Richtung Heimat und Freiheit.

Ganz anders ist der Blick derer, die, nackt, die Knochen kaum mit Stofffetzen gestreifter Uniformen bedeckt, im Lager überlebt haben. Die Augen, die Köpfe, die Hände beklagen den Verlust der menschlichen Würde durch den erlittenen Horror; der Mensch, dessen Körper noch lebt, ist im Herzen gestorben, erdrückt vom Elend, vom Schmerz, von der Angst, von der Scham. Und die Opfer des Lagers werden zum Gesicht der Opfer aller Kriege, die vor allem und manchmal ausschließlich Arme und Schwache treffen, denen sie Hunger, Tod und Horror bringen. Bevorzugte Opfer der Kriege sind die Kinder, die ihrer Kindheit beraubt werden (und die Erinnerung des Autors geht zurück ins Jahr 1944, als „meine Freunde der „Valle bassa“ in Todi und ich mit 7 Jahren schon alt geworden sind“), und die Frauen – Ehefrauen, Mütter, Töchter, Schwestern – deren Gesichter vom Leid gezeichnet sind. Und dies in allen Kriegen zu allen Zeiten und an allen Orten, vom Irak bis nach Palästina, von Somalia bis Uganda.

Im „Exodus aus Auschwitz“ trifft der Krieg alle ethnischen und politischen Gruppen, die an diesem Ort ausgerottet werden sollten. Die Figuren werden so zu „Nackten Wahrheiten“. Denn nicht nur auf Erinnerung erheben die Opfer der Shoah von den Menschen heute Anspruch, sondern auch auf die Wahrheit.

bruno da Todi  erzählt von seinem leidvollen Weg der noch nicht vollendeten Exodus-Serie, in der er das Gesicht des Krieges und der Gewalt zeichnet und in der er die Menschen auffordert, Verantwortung für die Abscheulichkeit der Völkervernichtungen zu übernehmen oder dafür, die Augen abgewendet zu haben.

Der Weg windet sich durch Zeit und Raum bis zum „Erdbeben“ der Bitte um Verzeihung, verkörpert durch die sprengende Kraft der Geste des deutschen Kanzlers am 7. Dezember 1970 im Warschauer Ghetto: ein Mann kniet nieder und bittet im Namen seines eigenen Volkes ein anderes um Vergebung.

Der Weg zwingt uns zur Erinnerung und zur Wahrheit. Ein Thema, über das man nachdenken sollte, um die Weihnachtszeit bewusster und vielleicht weniger oberflächlich zu erleben.