Nürnberger Nachrichten

Gewalt hinter Lack
Collagen von bruno da Todi in der Tassilo-Galerie

Im Grunde sind es ja handfeste Materialbilder, raffiniert zusammengemixt aus Stofffetzen, Sand, Farbe und Glanzlack, die der Italiener bruno da Todi derzeit in der Galerie „Tassilo“ (Sielstr.5) sehen lässt. Aber was er mit diesen Alltagsdingen anstellt, zielt von allem Materiellen fort, zwingt dem trivialen Stoff, aus dem seine Bilder sind, geistige Dimensionen von aktuellen Menschheitsfragen hinein.

Dabei ist der thematische Ausgangspunkt seiner fremdartig glänzenden Bildträume ebenso real wie das verwendete Material. Wäscheleinen, wie sie in bruno da Todis Heimat sicher überall das Straßenbild verspannen, tauchen samt konkreten Textilutensilien immer wieder auf. Aber bald wird das viel eher ins Unheimliche verfremdete als üblich-harmlose Ärmel- und Beinling-Geflatter zu vogelscheuchenhaftem Symbolcharakter, bis schließlich der gekreuzigte Stoff-Mensch an der Leine hängt.
Gewalt, die am und durch den Menschen geschieht, wird so zum Thema, lässt in den Collagen, die hinter der Lackschicht wie versteinert wirken, brutale Brandlöcher zurück, bietet die „Natur heute“ als eine abstrakte Farbkloake mit gefährlichen Rückstandbrocken an. Die virtuos beherrschte Mischtechnik von Farbe und Material lässt dabei jeden prekären Naturalismus hinter schillernd-verschwimmenden Konturen verschwinden, so dass man oft viel eher an Emailarbeiten denkt.
Natürlich leistet sich der Italiener hie und da Seitensprünge ins Skurril-Effektvolle, wenn er etwa Socken- und Lappenveredelungen zu einem kaum sinneinsichtigen Tryptichon kombiniert. Aber wo bruno da Todi seine zweifellos eigenwillige Technik zu geistigen Höhenflügen zwingt, kann man sich der Kraft seiner Bilder kaum entziehen.
W.W.