Abendzeitung

Verrückte Träume und tödliche Leere

Zum ersten Geburtstag des Nürnberger Tassilo-Theaters gibt es in der Sielstraße wieder einmal eine Kunstausstellung: bruno da Todi, italienischer „Weltbewohner“ mit derzeitigem Noris-Wohnsitz, zeigt Bilder in Mischtechnik, die auf den ersten Blick technisch stärker fesseln als motivisch (weil da bisweilen Zufall im Spiel zu sein scheint), dann aber doch viel humanistische Gefühle erkennen lassen.

Mischtechnik heißt bei Todi Collagen: Er malt mit Stoffresten, die mit Sand appliziert und später mit Lack fixiert werden; auch die Siebdrucke werden solchermaßen nachbehandelt, bleiben also letztlich Originale.

Wenn man dahinter gekommen ist, dass die Textilien für den Menschen stehen, der Sand für die Natur, bekommen auch die eingebrannten Löcher ihren Sinn: Todi sieht den versehrten Menschen, den ausgebrannten, den das Nichts bedroht, die tödliche Leere. Was Ausflug in neue malerische Dimensionen scheint, entpuppt sich so als gemalte Solidarität.
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