Nürnberger Zeitung

Sonne über Blutspuren
Bilder von bruno da Todi in der Tassilo-Galerie

Über vier aus übereinander geschichteten rauen Stoff-Fetzen und durchlöcherten Lappen zusammengesetzten menschlichen Gestalten steht zaghaft eine rosarote Sonne. Unterhalb davon durchzieht ein roter Farbstreifen wie eine hässliche Blutspur das Bild. Die Figuren krümmen sich in hilflosen Verrenkungen, Ausdruck für unerträgliche Seelenqualen. An der Stelle des Kopfes gähnt ein in die Sperrholzplatte gebranntes Loch.

Der Italiener bruno da Todi, de sich nach seiner Heimatstadt, in der er 1937 geboren wurde, bruno da Todi nennt, stellt seine Arbeiten in de Galerie des Tassilo-Theaters aus.
Mit Stoffen, aber auch mit grobkörnigem Sand, mit mutwilligen Verletzungen durch Kratze und schnitte bricht er die lackierte Oberfläche seiner Bilder auf. Schon allein aus diesem Strukturen und Unebenmäßigkeiten beziehen sie einen sehr eigenwilligen ästhetischen Reiz.
Da Todi greift auf die surrealistische Technik des Objet trouvé zurück, auf das Verwenden von gefundenen Materialen aus der unmittelbaren Umwelt, wählt sie jedoch ungleich bewusster und gezielter aus. Sie sind bei ihm ganz konkreter Ausdruck für den seelischen Schmutz, in dem sich der Mensch verfängt und an dem er täglich zu ersticken droht.
Da Todi sieht den Menschen als Wesen, das, unfähig, sich aus seinem elenden Schicksal zu befreien, zur hilflosen Marionette verkümmert. Die „Aufgehängte Wäsche“, wie er viele seiner Arbeiten nennt, hängt aneinandergereiht an der Leine wie leere Menschenhüllen, die, entkräftet vom täglichen Existenzkampf, willenlos hin- und herbaumeln.
Auch seine Kreuzigungs-Bilder sind keine resignative Rückkehr zu christlicher Erlösungshoffnung. Da Todi greift ein Thema des religiösen Leidens auf, will es aber als tägliche Passionsgeschichte jedes einzelnen verstanden wissen.
Die klassischen Schönheitsideale vergangener Kunstrichtungen lässt er weit hinter sich. Sein zerlumpter, unförmiger „David“ ist das Sinnbild einer Zeit, in der die Menschen in naive Unbedachtheit, aber auch mit destruktiver Mutwilligkeit unaufhaltsam den zersetzenden Weg hin zum apokalyptischen Ende eingeschlagen haben.
Wie eine beharrlich beibehaltene Wunschvorstellung, die durch nichts mehr gerechtfertigt ist, mutet es an, wenn da Todi von seinem ungebrochenen Optimismus spricht, dessen bildliches Symbol die rote Sonne ist. Für einen Teil der Betrachter mag sie, wie für den Künstler selbst, tatsächlich aufgehen. Für andere aber ist sie im Begriff, mit bedrohlicher Unaufhaltsamkeit unterzugehen. (Bis 14.Mai) ta.